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Noch ein Test: Cullmann NANOMAX 200T Reisestativ mit CB5.1 Kugelkopf

10. Juni 2012

Als ich vor ziemlich genau 30 Jahren meine erste Spiegelreflexkamera kaufte, war eine der ersten Anschaffungen zur Ergänzung ein Cullmann-Touring-Set unter anderem mit einem kleinen Stativ. Dieses Stativ hat mich auf Reisen stets begleitet, wurde auf Berge getragen, trotzte Regen und Meer und schien nicht tot zu kriegen. Leider hat sich dies inzwischen als Fehleinschätzung erwiesen, denn vor einiger Zeit ist eine Kunstoffbefestigung gerissen und damit sitzt ein Bein nicht mehr fest. Aus diesem Grund habe ich mich einmal nach Ersatz umgesehen. Wenn eine Firma ein Stativ baut, mit dem man fast 30 Jahre zufrieden war, schaut man natürlich als erstes nach einem vergleichbaren aktuellen Stativ der selben Firma. TECHNIKdirekt stellte mir freundlicherweise das Cullmann NANOMAX 200T Reisestativ mit CB5.1 Kugelkopf zum ausgiebigen Testen zur Verfügung.

Größenvergleich Cullmann NANOMAX 200T mit meinem alten Cullmann-Reisestativ

Das Cullmann NANOMAX 200T ist mit 28cm (mit Kopf) sogar noch etwas kleiner als mein altes Reisestativ und absolut wanderrucksacktauglich.

Mein erster Eindruck ist gut: Das Stativ ist richtig klein (28cm mit Kopf) die etwas mühsamen Schraubkonstruktion des (ur)alten Modells wurde durch eine Klemmkonstruktion ersetzt, was leichter und schneller zu bedienen ist. Die nächsten dreißig Jahre werden zeigen, ob die Klemmkonstruktion auch so unverwüstlich ist, ich habe da spontan meine Zweifel, aber die hatte ich beim alten Stativ bei den Kunstoffschraubverschlüssen auch. Was mit spontan auch sehr gut gefällt ist die Schaumstoffummantelung, die vor allem bei Kälte das anfassen des Stativs sehr viel angenehmer machen wird.

Die voll ausgefahrene Höhe der beiden Stative ist etwa gleich groß.

Voll ausgefahren ist das Stativ 82 cm hoch und auch damit absolut mit dem alten Stativ vergleichbar.

Die maximale Höhe von 82 cm macht schon deutlich, dass das Stativ vor allem für Reisen und für die Makrofotografie gedacht ist. Aber genau dafür brauche ich es auch, für alle anderen Anwendungen bin ich sehr zufrieden mit meinem großen und schweren Manfrotto-Stativ. Obwohl die Beine sehr filigran wirken, wie ich es schon vom alten Stativ gewohnt bin, wackelt da nichts mehr, wenn die Klemmen geschlossen sind und die Kamera auf das Stativ geschraubt ist. In heftigem Sturm würde ich es wahrscheinlich nicht auf volle Höhe ausfahren, aber ich habe auf Madeira das Stativ durchaus auch bei Wind genutzt ohne dass dadurch Probleme entstanden wären.

Natürlich ist es sehr schwierig mit dieser Höhe zum Beispiel über Hindernisse wie Mauern usw. hinwegzufotografieren und man ist auch in der Perspektivenwahl eingeschränkt, aber für meine Zwecke wie z.B: Langzeitbelichtungen von fließendem Wasser oder Makroaufnahmen hat sich dies in der Vergangenheit selten als Problem dargestellt. Bei nächtlichen Aufnahmen von beleuchteten Skylines oder angestrahlten Gebäuden kommt man bei der geringen Höhe des Stativs allerdings schon auch an gestalterische Grenzen.

Durch die abspreizbaren Beine beträgt die Mindesthöhe unter 20cm.

Durch die abspreizbaren Beine beträgt die Mindesthöhe unter 20cm und es ist damit wesentlich leichter Motive in Bodennähe zu fotografieren.

Die Mittelsäule ist zweiteilig und mit einem Schraubgewinde verbunden. Für bodennahe Aufnahmen kann also ein Teil der Mittelsäule entfernt werden und zusätzlich können die Beine mit einem einfachen Drehmechanismus ganz oben an jedem Bein abgespreizt werden. Damit ist eine minimale Höhe von unter 20cm möglich. Wem das immer noch nicht genügt, der kann die Mittelsäule einfach drehen und mit der Kamera um 180 Grad gedreht wirklich direkt in Bodenhöhe fotografieren.

Mit dem Stativ bin ich also durchaus zunächst einmal zufrieden. Allerdings ist eine Kette nur so gut, wie das schwächste Glied und das ist in diesem Fall ganz eindeutig der Kugelkopf. Von Anfang an hatte ich den Eindruck, dass das Gewinde zum festschrauben des Kugelkopfes überhaupt nichts taugt. Selbst wenn ich für meine Begriffe schon recht fest zugedreht habe, hat sich der Kugelkopf immer noch völlig problemlos bewegen lassen. Es bleibt nur mit Kraftaufwand noch etwas weiter zudrehen um den Kugelkopf zu arretieren. Zugelassen ist der Kugelkopf für 2 Kilo, also sollte er mit meiner D300s mit 105er Macro (1540 Gramm) eigentlich problemlos zurechtkommen. Auf Madeira habe ich mit der Nex 5 mit verschiedenen Objektiven (unter 800 Gramm) fotografiert und da hielten sich die Probleme einigermaßen im Rahmen und es entstanden schöne Aufnahmen, weil dieses kleine Stativ mit seinen nur 700 Gramm Gewicht immer im Wanderrucksack dabei war.

25 Fontes

Belichtungszeit 2 Sekunden

Heute allerdings habe ich mich einmal an Makroaufnahmen auf der Höhfeldplatte in Thüngersheim versucht und das permanente wieder auf- und zuschrauben war wohl zu viel für den Kugelkopf. So gab er bereits bei seinem ca. fünften Einsatz seinen Geist auf, das Gewinde bröselte zusammen und der Kopf ließ sich nicht mehr fixieren. Sehr, sehr ärgerlich, wenn man beim besten Morgenlicht im Dreck liegt und gerade den Ausschnitt einstellen will und nichts geht mehr und man muss die Fototour abbrechen…

Bereits beim etwa fünften Einsatz ging das Gewinde zur Arretierung des Kugelkopfes kaputt.

Bereits beim etwa fünften Einsatz ging das Gewinde zur Arretierung des Kugelkopfes kaputt.

Da Cullmann 10 Jahre Garantie gibt, werde ich also das Stativ zurückschicken und hoffe darauf, dass ich einfach nur ein von Anfang an schlecht produziertes Teil hatte. Die gute Nachricht ist, der alte solide und ganz hervorragende Kugelkopf passt problemlos auf das neue Stativ und selbst wenn der neue Kugelkopf wieder nichts taugen sollte, kann ich mit dieser Kombination aus alt und neu mein Stativproblem lösen. Empfehlen kann ich diese Kombination aus Stativ und Kugelkopf aber vorerst nicht. Falls der neue Kugelkopf wesentlich besser sein sollte, werde ich meine Einschätzung selbstverständlich ändern und den Artikel hier aktualisieren.

Trotzdem, bevor der Kugelkopf seinen Geist aufgab ist immerhin noch dieses Bild entstanden und dafür hat es sich dann doch gelohnt, heute früh morgens aufzustehen…

Blume auf der Höhfeldplatte im Morgenlicht

Kurz bevor der Kugelkopf seinen Geist aufgab…

 

UPDATE: Schnell und unkompliziert tauschte TECHNIKdirekt das Stativ aus. Der Kugelkopf des neuen Stativs ist tendentiell etwas besser, aber immer noch muss man unglaublich fest anziehen, damit er einigermaßen stabil ist. Damit ist eigentlich schon vorprogrammiert, dass auch diese Schraube wahrscheinlich bald überfordert den Geist aufgeben wird. Müsste ja nicht mein Problem sein, da Cullmann selbstbewußt 10 Jahre Garantie darauf gibt, wenn man sich innerhalb eines Monats registriert (bitte nicht vergessen!). Aber…Konstruktionsbedingt ist es leider so, dass man den defekten Kugelkopf nicht einfach vom Stativ schrauben kann, weil er dann nicht mehr greift, wenn er sich nicht feststellen lässt. Wenn also auf einer der nächsten Fototouren die Schraube wieder den Geist aufgeben sollte, stehe ich also wieder ohne Stativ da und da würde es auch nichts nützen, den alten Ersatzkopf dabei zu haben. Deswegen werde ich wohl oder übel gleich den alten Kopf draufschrauben. Wenn der verrecken sollte kann ich ihn zumindest wieder runterschrauben. Es bleibt dabei: Von mir keine Empfehlung bei diesem Kopf !

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Ein Kommentar leave one →
  1. 10. Juni 2012 16:54

    Schade an das fotoTour Das Höhfeldplatte ist wirklich ein Makro paradise

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