Sportfotografie: Tipps für Einsteiger in die Handballfotografie
Fußball wird eh’ völlig überbewertet… Das wurde mir heute morgen (fast) ohne konkreten Anlass bewusst und deswegen nutze ich die Gunst der Stunde um ein paar Handballfotos im Blog zu zeigen und Einsteigern ein paar Tipps für die Handballfotografie zu geben. Die Tipps sind definitiv für Profis völlig unbrauchbar, denn da gelten andere Gesetze. Es geht mir um Amateur-Fotofreaks, die just for fun mal Sportfotografie ausprobieren wollen und sich bisher nicht so recht ran getraut haben.

ISO 1600, Brennweite 80mm, 1/400 sec, Blende 5
1. Wo kann ich fotografieren?
Es gibt eine ganze Menge Handballvereine in Deutschland. Einer ist garantiert auch in Deiner Nähe. Am idealsten ist es natürlich, wenn der eigene Sohn oder die Nichte Handball spielt und man einfach mal zu einem Turnier mitgehen kann. Bei den Turnieren machen meist auch die Eltern Bilder, so dass man völlig ohne aufzufallen erste Gehversuche in der Sportfotografie machen kann. Wenn man seine Bilder (zumindest die vorzeigbaren…) hinterher den Eltern oder dem Verein zur Verfügung stellt, hat man schon den ersten Fuß in der Tür um beim nächsten Turnier wieder fotografieren zu können.

2. Wie ist das mit den Bildrechten?
Das ist ein heikles Thema, denn streng genommen braucht man für jegliche Veröffentlichung (also auch wenn man die Bilder nur Fotokollegen zeigt) das Einverständnis der Eltern und natürlich des Kindes selbst. Am besten ist es natürlich sich dies schriftlich geben zu lassen, aber vermutlich macht das kaum jemand… Manchmal wird in Vereinen auch das schriftliche Einverständnis der Eltern eingeholt, Bilder von Turnieren usw. auf der Homepage des Vereins zeigen zu können. Dann ist man dabei schon mal auf der sicheren Seite. Ganz pragmatisch kann ich sagen, dass es mit etwas Fingerspitzengefühl meiner Meinung nach meist nicht allzu schwer ist, einzuschätzen, was für Eltern und Kinder OK ist und wo ich auf jeden Fall ausdrücklich nachfragen würde. Wenn ich Handballbilder im Internet gezeigt habe mit ein paar lobenden Worten für die Sportler und eventuell einem Spielbericht, habe ich es bisher nie erlebt, dass da jemand etwas dagegen hatte, im Gegenteil, meist waren Eltern und Kinder stolz wie Harry und absolut zufrieden damit. Wenn ich ein Bild für einen Fotowettbewerb verwenden möchte, nehme ich entweder ein Bild meines eigenen Kindes oder von den Kindern von Freunden, von denen ich sicher weiß, dass sie damit kein Problem haben. Alle anderen würde ich ausdrücklich fragen.

3. Was für eine Ausrüstung brauche ich?
Handball ist ein schneller Hallensport und ich brauche deswegen eine Kamera, die gut mit knappem Licht zurecht kommt und schnell ist. Idealerweise wird das eine Spiegelreflexkamera sein. Ich selbst verwende die Nikon D300s. Da ich leider keines der bei Fotografen so begehrten lichtempfindlichen Telezooms habe, fotografiere ich mit einem uralten Tokina-Tele-Zoom 80-400mm (bei Handball reichen in der Regel auch 200mm) mit Autofokus und einer Lichtempfindlichkeit von nur 5.6. Geht das? Ja, das geht – mit einigen Kompromissen. Meist muss ich in der Nachbearbeitung etwas nachschärfen und der Autofokus ist auch nicht immer schnell genug und deswegen gibt es auch eine Menge Ausschuss.Bei knappem Licht (=immer) riskiere ich je nach Kamera auch ein störendes Bildrauschen, wenn ich die Blende nicht weiter öffnen kann und deswegen die Empfindlichkeit bis zum Anschlag hochschrauben muss.

4. Darf ich einen Blitz verwenden?
Was das Fotografieren bei Kinderturnieren definitiv von Profihandball unterscheidet ist, dass ich in der Regel auch ein Blitzgerät verwenden kann, was im Profisport undenkbar wäre aus Angst, die Sportler könnten geblendet und damit behindert werden. Eltern fotografieren meist mit Kompaktkameras, bei denen sich der Blitz automatisch zuschaltet und so blitzt es eh die ganze Zeit und niemand stört sich daran. Hier lauert allerdings eine Falle. Wenn ich alles dem Blitz überlasse habe ich in der Regel totgeblitzte Bilder ohne Atmosphäre. Ich empfehle deswegen dringend die Belichtung ohne Blitz zu messen um so das tatsächlich vorhandene Licht mit einzubeziehen. Meist gehe ich so vor: Ich schraube die ISO-Zahl hoch auf den Wert, den ich vom Rauschen her noch verantworten kann (bei mir meist 1600 ISO), öffne die Blende so weit es geht und hoffe dann dass die Belichtungszeiten noch kurz genug sind, um zumindest einige wichtigen Elemente des Bildes nicht verwischen zu lassen. Erst jetzt, wenn all diese Einstellungen festgelegt und eingestellt sind, kommt der Blitz ins Spiel. Mit dem Blitz auf der Kamera blitze ich den Sportler im Vordergrund an und idealerweise entsteht so zumindest ein scharfes Kernbild und auch lebendigere Farben. Weil der Sportler oft schon etliche Meter entfernt ist, ist ein leistungsstarkes Blitzgerät ein großer Vorteil.

Bei einer Belichtungszeit von 1/200sec bei Brennweite 135mm friert der Blitz bei dieser schnellen Aktion das Gesicht soweit ein, dass zumindest die Augen ausreichend scharf sind. Eines meiner Lieblingsbilder, der Sportler allerdings findet die Unschärfe “irgendwie komisch” – Geschmackssache eben…
5. Wo stelle ich mich am besten hin?
Mein Tipp: Die besten Bilder entstehen meiner Meinung nach, wenn ich seitlich hinter dem Tor stehe, das heißt ich muss von der Tribüne (falls vorhanden) herunter aufs Spielfeld. Das ist in der Regel überhaupt kein Problem, allerdings sollte man Straßenschuhe entweder ausziehen oder Hallensportschuhe dabei haben, da sind manche Veranstalter sehr penibel… Ich stelle mich fast immer hinter das Tor, das “meine Mannschaft” angreift. Das hat auch den Vorteil, dass ich in der Regel die Spieler, die ich fotografieren will, von vorne in voller Aktion fotografieren kann und die Gegenspieler, bei denen ich keine Ahnung habe, ob die Eltern damit einverstanden wären, wenn ich ein Bild veröffentliche, von hinten, nur ganz am Bildrand oder gar nicht auf dem Bild sind. Wenn man gezielt eine Mannschaft fotografiert hat das auch den Vorteil, dass man mit der Zeit Stärken und Schwächen einzelner Spieler kennt und so besser gute Spielszenen voraus ahnen kann.

6. Was muss ich sonst noch beachten?
Bitte vor lauter Fotografieren nicht vergessen, auch mal zu applaudieren, die Kinder zu loben und anzufeuern. Ganz wichtig finde ich es auch, möglichst alle Kinder mal zu fotografieren und auch z.B. den Torwart nicht zu vergessen. Da achten alle Kinder und Eltern hinterher drauf, dass sie auch mal fotografiert wurden und nicht nur Fotos von den Stars der Mannschaft entstehen. Der, den man vergessen hat ist enttäuscht und wer will schon einen dieser Nachwuchshelden enttäuschen…

7. Und was mach ich dann mit den Bildern?
Das ist einfach beantwortet: Auf jeden Fall mache ich Spielern und Trainer damit eine Freude, indem ich die Bilder zur Verfügung stelle für Weihnachts- oder Saisonabschlussgeschenke für Trainer und Spieler. Für die Kinder ist der Sport oft etwas unheimlich wichtiges in ihrem Leben und es bringt ihre Gesichter wirklich zum Strahlen, wenn das auch mit einem Bild gewürdigt wird. Ganz egal ob ein bedrucktes T-Shirt, ein Kalender, ein Erinnerungsbild, ein Fotobuch über die Saison… Mir macht das Fotografieren selbst schon einen Riesenspaß, aber die Begeisterung und der Stolz in den Gesichtern der Kinder ist für mich die Krönung. Probiert es mal aus, so einfach kann man selten Menschen glücklich machen und dabei selbst Spaß haben. Wie gesagt, Profis und Fotografen, die bei allem zuerst an Vermarktungsmöglichkeiten denken werden damit nichts anfangen können, aber vielleicht gibt es da draußen ja auch noch anderer Fotofreaks, die wie ich einfach Spaß daran haben mit ihrem tollen Hobby auch anderen eine Freude bereiten zu können.









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